Freitag, 27. August 2010

Rubrik-Antworten: Nochmal Stolpersteine, Oberbürgermeister & Symbolik

So hier gibt es mal wieder ein paar Antworten, einiges hat etwas länger gedauert.
Zum einen weil ich suchen musste zum anderen weil ich es vergessen habe.

Zunächst nochmal etwas zum Streit um die Stolpersteine (kosten übrigens mittlerweile 95 Euro [immer noch erschwinglich]) in München.
Dort sind sogar schon verlegte Steine wieder entfernt worden auf Stadtratsbeschluss.
Generell beruft man sich auf die Aussage von Frau Charlotte Knobloch (Vorsitzende Zentralrat der Juden), die meint. dass so die Opfer des NS-Regimes noch mal mit Füßen getreten werden.
Der Stadtrat folgt mit seinem Beschluss übrigens einem Wunsch der jüdischen Gemeinde München. Einige Ratsmitglieder vertreten auch die gleiche Meinung wie Frau Knobloch, so z.B.der Oberbürgermeister Christian Ude (SPD).
Ich selbst bezweifle, dass es einer Stadt gerade wie München gut tut, sich den Stolpersteinen zu verwehren.
Auch scheinen nicht alle jüdischen Bewohner Münchens der Auffassung von Frau Knobloch zu sein. Lesen Sie hierzu und allgemein zu der Situation in München folgenden Artikel der TAZ.
Die Stolpersteine sind übrigens nicht nur für Juden verlegt worden, auch an Sinti und Roma wird erinnert. Wie es mit anderen Gruppen aussieht, entzieht sich noch meiner Kenntnis.
Um die Situation von sogenannten "Bastarden" in Bonn, Kinder von marokkanischen Besatzungssoldaten nach dem 1. Weltkrieg und deutschen Frauen, werde ich mich demnächst mal kümmern und schauen, ob es sich in einen Spaziergang einbauen lässt.

Ludwig Rickert (Oberbürgermeister von Bonn 1933 - 1945) hat nach seiner Haftentlassung 1948 eine Pension erhalten, über die Höhe kann ich leider keine Angabe machen.

Der erste Nachkriegsbürgermeister von Bonn war Eduard Spoelgen, zu meinem Bedauern ist mir der Name neulich bei einem Spaziergang nicht eingefallen.
Hier mal eine Gesamtübersicht der Oberbürgermeister:


  • 1804–1816: Anton Maria Karl Graf von Belderbusch (bis 1814 als Maire [Französische Besatzungszeit])
  • 1816–1817: Peter Joseph Eilender (kommissarisch)
  • 1817–1839: Johann Martin Joseph Windeck
  • 1840–1850: Karl Edmund Joseph Oppenhoff
  • 1850–1875: Leopold Kaufmann
  • 1875–1891: Hermann Jakob Doetsch
  • 1891–1919: Wilhelm Spiritus
  • 1920–1922: Fritz Bottler
  • 1923–1931: Johannes Nepomuk Maria Falk
  • 1932–1933: Franz Wilhelm Lürken
  • 1933–1945: Ludwig Rickert, NSDAP
  • 1945–1948: Eduard Spoelgen
  • 1948–1951: Peter Stockhausen, CDU
  • 1951–1956: Peter Maria Busen, CDU
  • 1956–1969: Wilhelm Daniels, CDU
  • 1969–1975: Peter Kraemer, CDU
  • 1975–1994: Hans Daniels, CDU
  • 1994–2009: Bärbel Dieckmann, SPD
  • seit 2009: Jürgen Nimptsch, SPD
Dann noch kurz etwas zur Symbolik auf Friedhöfen.
Zunächst das Ornament, welches am Grab von der Archäologien Gisela Hellenkämper-Salies auf dem Poppelsdorfer Friedhof angebracht ist nennt man tatsächlich Mäander, angelehnt an Flussschleifen.




Bei dem Grab eines jüdischen Arztes aus Amsterdam auf dem Jüdischen Friedhof an der Römerstraße handelt es sich nicht um einen Äskulapstab sondern um einen Hermesstab, der ebenfalls für die Medizin Verwendung findet (z.B. als Abzeichen der Ärzte der US Army)

1 Kommentar:

  1. Sehr geehrte Damen und Herren, durch Zufall bin ich hier über diese Seite und diesen Bericht "gestolpert".
    Dazu kann ich eines sagen. Nicht nur für Juden, Siinti und Roma wurden und werden Stolpersteine verlegt, auch für andere Opfer des NS-Terrors gibt es solche Steine. So steckt in der Annaberger Straße vor der Haustüre 74 ein solcher Stolperstein zur Erinnerung an meinen Großvater; den Kommunalpolitiker (Zentrum) und Lehrer Joseph Roth(1896 in Köln-1945 in Friesdorf), der nach seiner Inhaftierung ins KZ-Buchenwald zuhause an den Folgen einer Giftspritze verstarb. Der damalige Bürgermeister von Godesberg nach der NS-Zeit, Heinrich Hopmann, ehrte ihn schon anfang der 50er Jahre mit der Straßenbenennung in Friesdorf(die Joseph-Roth-Straße). Im Jahr 2000 machte die kath. Kirche meinen Großvater dann zu einem der neuen deutschen Blutzeugen. 2005 wurde das Grab meiner Großeltern auf dem Friesdorfer Friedhof zum Ehrengrab der Stadt erklärt. 2006 verlegte der Künstler Demning den Stolperstein am Wohnhaus Annaberger Str. 74.
    Nach gewissen Problemen mit der Stadt wurde dann das total verwahrloste Grab im Mai 2011 aufwendig neugestaltet.
    Josef Roth, Rheinbach
    Josef.Roth@gmx.de

    AntwortenLöschen